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„arbeitsLOS – perspektivenLOS. Arbeitsmarkt Vorarlberg – quo vadis?“

Der Arbeitsmarkt und seine Zukunft standen im Mittelpunkt des 13. AQUA Forums, das am Freitag, den 27. April 2018 von AQUA Mühle Vorarlberg in Frastanz veranstaltet wurde. 

Am Beispiel der Herzogsägmühle in Oberbayern stellte Wilfried Knorr die Gemeinwohlökonomie vor. Die Idee der Gemeinwohlökonomie ist, den finanziellen Erfolg eines Unternehmens um den ethischen Erfolg zu einer Gemeinwohlbilanz zu ergänzen. Dahinter steckt der Gedanke, dass Geld „nicht Zweck, sondern Mittel zum Zweck“ sei, so Knorr. Er versteht die Gemeinwohlökonomie als Chance, das soziale Netz zu stabilisieren, denn Unternehmen des ersten Arbeitsmarktes erhalten durch sie Anreize, Menschen mit sogenannten multiplen Vermittlungshemmnissen in ethisch-moralischer Unternehmensverantwortung einzustellen. Zum Thema Stigmatisierung arbeitsloser Menschen durch Äußerungen wie „soziale Hängematte und Sozialschmarotzer“ warnte er: „Wie man über Menschen redet bestimmt, wie man mit ihnen umgeht.“

In seinem Vortrag „Strukturelle Arbeitslosigkeit: Gibt es eine von der Konjunktur unabhängige Arbeitslosigkeit?“ stellte Michael Diettrich, Obmann der Vorarlberger Armutskonferenz und Geschäftsführer von dowas die These infrage, dass „strukturelle Arbeitslosigkeit“ nicht mit Beschäftigungspolitik, sondern nur mit Strukturveränderungen bekämpft werden könne. Verbesserungen am Arbeitsmarkt sind laut Diettrich durch Investitionen möglich, die der Staat als Impulsgeber anreizen könne. Als oberstes wirtschaftspolitisches Ziel soll anstelle der Vollbeschäftigung wieder die Senkung der Arbeitslosenquote treten, denn „Die Wirtschaft ist dazu da, dass Menschen davon leben können“, so Diettrich.

Eine technologische Perspektive auf den Arbeitsmarkt warf Karl-Heinz Weidmann, Leiter Department of Computer Science und Vize-Rektor der Fachhochschule Vorarlberg, in seinem Vortrag „Arbeit 4.0“. Mit der Digitalisierung sei ein Diskurs über die Entwicklungen der Zukunft gestartet, der verschiedene Technologien und ihre Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt in den Mittelpunkt stellt. Dass neue Technologien die Joblandschaft verändern, sei dabei nicht neu. Vielmehr gehe es um die Frage, wer ihre Wirkmechanismen im Griff habe. „Als KonsumentInnen sind wir die, die Veränderung schaffen.“ stellte Weidmann fest und betonte, dass es in gesellschaftlicher Verantwortung liege, die Politik zu fordern. „Die Technologie schafft Möglichkeiten, deren Anwendung liegt bei uns.“

In der Podiumsdiskussion wies Benedicte Hämmerle, Verbandsprecherin des Netzwerks Soziale Unternehmen Vorarlberg, auf die negativen Konsequenzen der AMS-Kürzungen für die Sozialen Unternehmen und den Arbeitsmarkt insgesamt hin. Die Sozialen Unternehmen sieht sie als Innovationstreiber, die als Sozialökonomische Betriebe das derzeit einzige und bewährte Modell zur Senkung der Langzeitarbeitslosigkeit bieten. „Wenn das gekürzt wird, haben wir keine Alternativen“, so Hämmerle.

Diskussionsteilnehmer Klaus Gohm ist 62 Jahre alt und sucht seit rund 1,5 Jahren Arbeit. Er hat den Wert und die Qualität der Betreuungsarbeit sowie den Halt, den soziale Einrichtungen wie AQUA Mühle bieten, als Berufstätiger verkannt. Nach dem Verlust seiner Arbeitsstelle war er „irgendwie verloren. Ich habe erfahren, dass nach einem qualifizierten Mann auch auf dem internationalen Arbeitsmarkt kein Bedarf mehr ist. Bei AQUA Mühle wurde mir ein gewisses Maß an Lebensfreude wiedergegeben.“, bekräftigte er die Notwendigkeit sozialer Einrichtungen für arbeitslose Menschen.

Bernhard Bereuter, Landesgeschäftsführer AMS Vorarlberg, zeigte Strategien auf, um mit den Kürzungen umzugehen. Gemeinsam mit den Unternehmen werde geschaut, wie nötige Qualifikationen laufend im Arbeitsprozess weiterentwickelt werden können. Gleichzeitig soll mit der Einrichtung eines Think Tanks das Modell Soziale Unternehmen weiterentwickelt, verbessert und neu gedacht werden unter der Prämisse, dass „nicht immer der rascheste Weg wichtig ist, sondern der nachhaltige.“

Florian Kresser, Geschäftsführer von AQUA Mühle Vorarlberg machte den Spagat zwischen Wirtschaftlichkeit und sozialem Auftrag am zweiten Arbeitsmarkt deutlich und auf die „Schubladisierung“ aufmerksam: „Schon in Begrifflichkeit und der Verallgemeinerung auf die Gruppe „der Langzeitarbeitslosen“ liege eine Stigmatisierung, die es zu vermeiden gilt.“ Er sprach sich für individuelle Lösungen aus. Ziel sei es, die persönlichen Geschichten einzubeziehen. „Wir müssen die Möglichkeit haben, mit und für individuelle Menschen individuelle Möglichkeiten zu finden.“, fordert Kresser.

Abgerundet wurde das Programm mit berührenden und wachrüttelnden Filmbeiträgen zum Thema „arbeitsLOS – perspektivenLOS“, die in einer gemeinsamen Projektwoche durch Studierende der FH Vorarlberg und KlientInnen von AQUA Mühle entstanden sind. Sie griffen insbesondere die Stigmatisierung und soziale Ausgrenzung von arbeitslosen Menschen auf.

Einig waren sich alle Mitwirkenden des 13. AQUA Forums: Jeder Mensch hat ein Recht auf Arbeit und jeder Mensch soll einen Platz haben. Es darf niemand verloren gehen!

Das AQUA Forum  wurde heuer bereits zum 13. Mal von AQUA Mühle Vorarlberg veranstaltet. Es findet jedes Jahr rund um den internationalen Tag der Arbeit statt. Im Rahmen der Veranstaltung greift AQUA Mühle aktuelle sozialpolitische und arbeitsmarktrelevante Themen auf, um durch Vorträge und Diskussionen zu einem Lösungsansatz beizutragen. 

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