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Schulterschluss für sinnstiftende Arbeit

Am 26.04.2019 diskutierte AQUA Mühle Vorarlberg im Adalbert-Welte-Saal mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und dem Arbeitsmarktservice beim 14. AQUA Forum das Thema Vollbeschäftigung. 

Vor rund einem Jahr veröffentlichte die österreichische Bundesregierung einen „7-Punkte-Aktionsplan für Vollbeschäftigung“. Der politische, moralische und monetäre Druck auf beschäftigungslose Menschen wurde in der Zwischenzeit erhöht und aus vielen politischen Aussagen ist heraus zu hören, dass diese Vorgehensweise weiter verschärft wird.

„Wir hören oft ‚Leistung muss sich wieder lohnen‘ und ‚wer will bekommt einen Job‘. Es gibt viele Menschen die leisten wollen, es aber nicht können. Was passiert, wenn es trotz fördern und fordern nicht funktioniert, Menschen ‚passend‘ für den modernen und leistungsorientierten Arbeitsmarkt zu machen? Wird der Druck weiter erhöht, werden die Menschen aus dem Arbeitsmarkt ausgesteuert oder schafft man passende, dauerhafte und gesellschaftlich bereichernde Arbeitsplätze?“, fragten Florian Kresser und Kerstin Mündle, Geschäftsleitung von AQUA Mühle, die Mitwirkenden des heurigen AQUA Forums.

Ein klares Bekenntnis dazu, benachteiligten Menschen in Vorarlberg eine Chance am Arbeitsmarkt sowie Teilhabe in der Gesellschaft zu ermöglichen war ein Ergebnis des AQUA Forums. Dabei kommt Sozialen Unternehmen eine bedeutende Rolle in der Arbeitsmarktpolitik zu. Es herrschte Einigkeit darüber, dass die Zusammenarbeit und die gegenseitige Unterstützung zwischen Wirtschaft, Arbeitsmarktservice, Politik und Sozialen Unternehmen äußerst wichtig sind.

Sorge um Arbeitsplatz
„Laut einer Umfrage von 2018 ist für 80 Prozent der ÖsterreicherInnen die größte Sorge, den eigenen Arbeitsplatz zu verlieren. Wenn dieses Schicksal Menschen mit gesundheitlichen Problemen, höherem Alter oder geringer Ausbildung trifft, dann ist die Angst noch größer und wie der Arbeitsmarkt zeigt, auch berechtigt.“, so Kresser. In Vorarlberg sind trotz guter Konjunktur, einer guten Beschäftigungsquote und des politischen Anspruchs auf Vollbeschäftigung mehr als 2.500 Menschen langzeitarbeitslos. Sie finden mitunter seit Jahren keine Arbeit. Nicht zuletzt aufgrund der Reform der Invaliditätspension und der Anhebung des Pensionsantrittsalters steigt die Zahl der Personen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen am Arbeitsmarkt. Darunter sind auch 49 Prozent der rund 3.600 Notstandshilfe-BezieherInnen in Vorarlberg. Sie haben schlechte Integrationschancen und können im ersten Arbeitsmarkt kaum wieder Fuß fassen.

Soziale Unternehmen
„Mich macht das sehr betroffen. 95 Prozent der MindestsicherungsbezieherInnen wünschen sich Arbeit und integriert zu sein.“, erklärte Landesrätin Katharina Wiesflecker. „Arbeitsmarkt und Sozialleistungen stehen in enger Beziehung. Wir werden eine sehr gute Abstimmung zwischen Arbeitsmarkt, Bildung und Weiterbildung benötigen und alle Bereiche gut im Fokus haben müssen.“ Die Bundesregierung verlässt sich bei all diesen komplexen Themen überwiegend auf die Wirtschaft. Unternehmer Rainer Hartmann, geschäftsführender Gesellschafter der E-Werke Frastanz übernimmt gerne Verantwortung für seine rund 80 MitarbeiterInnen. „Wenn du Weitblick hast, versuchst du alles, um deine Mitarbeitenden im Betrieb zu halten.“, meinte er. Für die Aufnahme von Personen, die mehr Betreuungsbedarf und Begleitung benötigen, fehle den klein- und mittelständigen Unternehmen zum Teil die Struktur. „Wir brauchen Unterstützung. Diese bieten zum Beispiel Soziale Unternehmen wie AQUA Mühle.“, so Hartmann.
Bernhard Bereuter, Geschäftsführer des AMS Vorarlberg setzt ebenfalls auf die Kooperation zwischen Unternehmen, Sozialen Unternehmen und dem AMS. Langzeitarbeitslose Menschen würden über neue niederschwellige Modelle wie „Stufenweise Integration Vorarlberg“ wieder in Beschäftigung gebracht. Damit diese neuen Modelle erfolgreich umgesetzt und evaluiert werden könnten, „brauchen wir Zeit.“, so Bereuter.

Zunehmend mehr Zeit benötige auch die Soziale Arbeit, erklärte Doris Böhler, Professorin für Soziale Arbeit an der Fachhochschule Vorarlberg ihren Blickwinkel zur Vollbeschäftigung. „Die Themen werden komplexer, die Problemlagen nehmen zu. Schulddebatten und das Argument der sozialen Hängematte sind sehr stark. Wir müssen hinschauen und genau und differenziert betrachten. Es stehen Menschen mit Geschichten hinter den Zielgruppen. Und diese gilt es zu hören.“, fordert Böhler.

„Echte Jobs“
Judith Pühringer, Expertin für Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik und Referentin des AQUA Forums schlug vor, über das klassische Bild der Vollbeschäftigung hinaus- und visionär zu denken. Sie nahm auf aktuelle Vorschläge der Bundesregierung Stellung, die den Druck auf Arbeitslose, eine Arbeit anzunehmen, weiter erhöhen - wie etwa die Verpflichtung zu 1 €-Jobs. Pühringers Anliegen ist, dass Soziale Unternehmen weiterhin „echte Jobs“ anbieten, die existenzsichernd sind und ArbeitnehmerInnen eine echte Teilhabe an der Gesellschaft ermöglichen. In Österreich sieht Pühringer derzeit eine schrittweise Annäherung an das deutsche Harz 4-Modell und sorgt sich um die Existenz der Sozialen Unternehmen. „Soziale Unternehmen zeichnen sich seit jeher dafür aus, dass sie nach dem Motto ‚Arbeiten und Lernen‘ Menschen befähigen, qualifizieren und beschäftigen.“ In Zeiten großer Umbrüche nimmt Pühringer Soziale Unternehmen nicht als Reparaturwerkstätten, sondern „als Unternehmensformen der Zukunft einer Arbeitswelt im Wandel“ wahr und appelliert an die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Sozialen Unternehmen, um Strukturen und Erfahrungen gemeinsam zu nutzen und miteinander zu lernen. „Gerade hier in Vorarlberg gelingt es immer wieder, dass sich alle an einen Tisch setzen und gemeinsam Nägel mit Köpfen machen.“, zeigte sich Pühringer zuversichtlich.

Zukunftswerkstätten

Gute Möglichkeiten für diesen Schulterschluss sieht auch Landesrätin Barbara Schöbi-Fink, die in Vertretung des Landeshauptmanns an der Gesprächsrunde mit Judith Pühringer teilnahm. Sie erwarte sich sehr konkrete Vorstellungen aus den Zukunftswerkstätten des Landes Vorarlberg. „Dies ist ein intensiver und andauernder Prozess, wir sind auf dem Weg“, so die Landesrätin. Schöbi-Fink und Harald Moosbrugger, Leiter für Allgemeine Wirtschaftsangelegenheiten im Amt der Vorarlberger Landesregierung waren sich einig, dass „Menschen befähigt und nicht passend gemacht werden sollten.“

Florian Kresser, Geschäftsführer von AQUA Mühle Vorarlberg fasste die Lösungsansätze des 14. AQUA Forums zusammen: „Es gibt zu diesen komplexen Themen keine einfachen Lösungen. Es ist Aufgabe der Gesellschaft sich in den Stuhl der „anderen“ zu setzen, die Perspektive zu wechseln und realistische Zugänge zu polarisierenden Themen zu finden. Wir müssen nicht alles automatisch akzeptieren, wir können gestalten. Und darum waren wir heute hier.“

Der Wille zu Veränderung und der Wille, den Weg dorthin gemeinsam zu gestalten waren beim 14. AQUA Forum von Seiten der Unternehmen, des AMS und der Politik deutlich spürbar. Über 200 Gäste zeigten sich beeindruckt von der Mehrschichtigkeit des Themas Vollbeschäftigung, das auch beim anschließenden Umtrunk für regen Gesprächsstoff sorgte. Verwöhnt wurden die Gäste einmal mehr durch das Catering von AQUA Mühle Vorarlberg mit Fingerfood, Käsknöpfle, Hühnerspießle mit Erdnuss-Sauce und feinen Desserts.

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