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Prävention ist ein Gebot der Stunde

AQUA Mühle Vorarlberg feierte anlässlich des 12. AQUA Forums am 28. April 2017 das 30-jährige Bestehen des Bereichs „Wohnen-Leben“ und damit der extramuralen Betreuung psychisch kranker Menschen. 

Aqua Forum - Podium

„Prävention ist ein Gebot der Stunde, wir brauchen eine 1. Hilfe für die Seele. AQUA Mühle hat den Beweis erbracht, dass gemeindenahe Psychiatrie eine verpflichtende gesellschaftliche Aufgabe, keine Illusion ist. 30 Jahre Wohnen – Leben geben Zeugnis, machen Mut, dass gute Sozialarbeit die beste Prävention gegen psychische Leiden ist“, mit diesen Worten eröffnete Alt-Landtagsvizepräsident und Eugen-Russ-Preisträger Günter Lampert das 12. AQUA Forum.

Dr. Hubert Schneider gratulierte an seinem letzten Arbeitstag als Oberarzt im LKH Rankweil AQUA Mühle und der Gemeinde Frastanz zu dem Projekt, das sie über 30 Jahre aufgebaut haben: „AQUA Mühle war für mich eine Einrichtung, die immer versucht hat, auftretende Probleme in ihre Strukturen einzubinden oder neue Strukturen zu schaffen. – Der Patient hat das Problem und wir wollen ihm helfen. AQUA Mühle hat eine sehr differenzierte Wohnstruktur aufgebaut, begleitet von einer sehr breitgefächerten Tagesstruktur, die meines Erachtens Voraussetzung für dieses Konzept war. Wohnstruktur ohne begleitende Tagesstruktur wird zum Scheitern verurteilt sein. AQUA Mühle hat große Dinge geschaffen und war zum Teil Vorbild für andere Bundesländer.“

Als Festredner wies Dr. Albert Lingg auf heikle Punkte im Vorarlberger Psychiatriekonzept hin, die in der anschließenden Gesprächsrunde mit Vertretern des LKH Rankweil, von aks und pro mente Vorarlberg sowie Joachim Hagleitner, dem Psychiatriekoordinator des Landes, diskutiert wurden. Die Zusammenarbeit zwischen dem Land Vorarlberg und den Leistungsträgern sowie zwischen den Leistungsträgern untereinander habe sich in den letzten Jahren stark verbessert, bestätigten die Diskutierenden. Das Einbeziehen von Selbsthilfeorganisationen wie HPE und Verein Omnibus ermögliche die wichtige trialogische Betrachtung von Problemstellungen und Lösungen. Der drohende Personalmangel wurde als Gefahr für die ambulante Betreuung psychisch Kranker gesehen. Er habe bereits jetzt Auswirkungen auf die Betreuungsorganisationen. Fehlende Ärzte sind im LKH Rankweil zu beklagen, bei pro mente und dem aks sind Stellen nach zu besetzen. Peter Hämmerle, Geschäftsführer von AQUA Mühle, sieht für den ambulanten Betreuungsbereich die Chance, sich der Situation durch einen Berufsgruppenmix aus Sozialpädagogik, Soziotherapie, Sozialer Arbeit und dem Quereinstieg in den Sozialberuf anzupassen. „Die große Schwierigkeit sehe ich, wenn es in komplexen krisenhaften Entwicklungen eine schnelle Anbindung und Rückendeckung durch stationäre Einrichtungen geben muss. Das hat in der Vergangenheit immer sehr gut geklappt. Wenn das wegbricht, werden wir auch im vorgelagerten ambulanten Bereich Schwierigkeiten haben“, erklärte er den rund 200 Gästen des AQUA Forums.

 

Auf Gemeindeebene beschrieb Bürgermeister Eugen Gabriel gemeindenahe Psychiatrie als Herausforderung an die Bevölkerung, da sie tagtäglich ein Aufeinander-Zugehen verlange, eine Wertschätzung aller Menschen einfordere und Verständnis für komplexe Lebenssituationen notwendig mache. „Wir sind alle gefordert. Es verlangt nach einer anderen Qualität des Zusammenlebens, des Miteinanderlebens“, verdeutlichte er. Psychiatriekoordinator Joachim Hagleitner sprach sich ebenfalls für tolerante Gemeinden aus: „Psychiatrie ist immer in eine Gesellschaft eingebettet und insofern müssen wir uns fragen, welchen Wert die Menschen haben. Geht es nur um Leistung? Schenken wir uns angemessen Zeit?“ Diesen Aufruf verstärkte Lingg: „Im Moment schaut’s ja gesellschaftlich-politisch um uns herum und zum Teil auch bei uns nicht so toll aus, was Toleranz und Solidarität betrifft. Die `Trumpisierung` grassiert. Wir sollten uns wehren und dagegen halten, allen aktiv kontern und einen menschlichen Umgang mit anders ausgerichteten Menschen jedweder Art predigen.“

Alle Betreuungsorganisationen stimmten Albert Lingg zu: „Wir sind auf einem guten Weg. Es bleibt ein spannendes Unternehmen, gemeindenahe Psychiatrie weiter zu entwickeln. Das Entscheidende ist, dass die, die’s am nötigsten brauchen, nicht durchfallen.“

Für AQUA Mühle ist die Arbeit mit seelisch beeinträchtigten Menschen nach wie vor ein Herzensanliegen. „Die vorübergehende örtliche Beheimatung, die Unterstützung bei der inneren Beheimatung durch Angebote der Betreuung, Versorgung, Tagesstruktur und Beschäftigung. Das alles sind Angebote, die wir gut können und weiter anbieten wollen“, so Peter Hämmerle, der Geschäftsführer von AQUA Mühle Vorarlberg.

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